06. Feb 2018

gewollt hässlich

Durchdesignt, weichgespült, leicht, „schön“ (gemessen an den momentan gängigen Schönheitsidealen des Mainstream-Webdesigns) – aber irgendwie alle gleich. Mal ist das Textfeld links, mal rechts, mal dominieren großflächige Bilder, mal sind diese dezenter platziert. Trotzdem zum Verwechseln ähnlich.

schön ist das neue normal – aber langweilig

Auch wenn im World Wide Web theoretisch fast jeder die Chance hat, sich zu verwirklichen und ganz nach dem eigenen Geschmack seine individuelle Website zu gestalten, irgendwie folgen doch viele den gleichen Trends und haben somit die gleiche „Soße“ auf dem Präsentierteller, der ihre Website ist.

Website-Templates-Beispiel-1.jpg

Screenshot von https://www.squarespace.com/templates, Stand: 08.01.2018.

Schon wenn man die Templates von diversen Website-Baukasten-Anbietern durchschaut, bewahrheitet sich Omas altes Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gern“. Copy & Paste anstatt gegenseitiger kreativer Befruchtung.

Website-Templates-Beispiel-2.jpg

Screenshot von https://www.squarespace.com/templates, Stand: 08.01.2018.

Als Reaktion auf dieses immer gleiche Webdesign finden sich in letzter Zeit vermehrt Websites, die sich bewusst davon abgrenzen.

back to basics

„(Neo-)Brutalismus“ oder „Web Brutalism“ wird dieser Gegentrend genannt, der sich wie folgt beschreiben lässt:

Roh, beinahe unfertig

- Industriell inspiriert

- Reduziert bis aufs Minimum

Websites-Neobrutalismus-Beispiel-1.jpg

Screenshot von http://www.mickaelemile.fr/, Stand: 08.01.2018.

Wie Anfang der 1990er-Jahre finden sich große, plakative Farbflächen in knalligen Farben und einfache Schriftarten. Responsive Design oder interaktives UI sucht man hier vergeblich. Entspricht nicht gerade den zeitgenössischen Konventionen im Webdesign.

Auf Brutalistwebsites.com sammelt Pascal Deville, Creative Director und Partner bei Freundliche Grüsse aus Zürich, zahlreiche Beispiele, die sich in die Brutalismus-Sparte einordnen lassen.

Websites-Neobrutalismus-Beispiel-2.jpg

Screenshot von http://trulybald.com/, Stand: 08.01.2018.

schönheit liegt im auge des betrachters

So mancher Betrachter fragt sich beim ersten Blick sicherlich: „Wer hat das so hässlich gemacht? Und warum?“ Doch gerade die Bewertung nach den Kriterien „schön“/„nicht-schön“, restriktive Kriterien und „best practices“ sind die größten Kreativitätskiller.

Kreative wissen schon lang, dass sich auch im „Hässlichen“ Schönheit finden kann. „Ohne Schatten kein Licht“, und genauso kann Schönheit nur im Gegensatz zur Hässlichkeit existieren. Oft entstehen interessante Motive und Werke erst im Spannungsfeld zwischen Gegensätzen. 

Wenn wir nicht im Einheitsbrei der schön gestalteten Onlinewelt versumpfen wollen, dann müssen wir mutig sein.

design vs. funktion

Neobrutalistische Websites zeigen klassischen „Schönheitsidealen des Webdesigns“ den symbolischen Mittelfinger. Sie sagen: „Wir sind kreativ, anders, unangepasst und keine Langweiler.“ ABER, sie können noch viel mehr.

Technische Benefits sind:

- Schnelle Ladezeiten, da auf technische Spielereien und Schnickschnack komplett verzichtet wird.

- Aufgrund des minimalistischen Aufbaus sind die Websites leicht zu navigieren und der Aufbau schnell für den Nutzer erfassbar.

- Inhalte sind leicht für den Nutzer zu finden, weil nur das Notwendigste enthalten ist.

ein gegentrend kommt langsam im mainstream an

Wie so häufig, entwickeln sich neue Trends zunächst oft abseits des Mainstreams. Waren es zunächst kleinere Websites, welche eine brutalistische Programmierung hatten, so ist spätestens seit 2016 klar, dass Brutalismus nicht nur eine Fußnote in den Annalen der Internetgeschichte ist.

Screenshot von https://developer.apple.com/wwdc/, Stand: 17.06.2016, via Waybackmachine und Screenshot von https://www.bloomberg.com/businessweek/design-conference/, Stand: 08.01.2018.

Apples Website für die WWDC2016 war im brutalistischen Stil gehalten, genauso wie die Website der amerikanischen Wirtschaftszeitschrift Bloomberg Businessweek für deren Design Conference 2016. Willkommen im Mainstream.

seid außergewöhnlich

Was ist unser Fazit zu dem Phänomen (Neo-)Brutalismus? Während wir einer Bank oder Versicherung sicherlich keine brutalistische Website empfehlen würden, applaudieren wir generell der Kreativität und dem Mut zum Anderssein, die Reihe zu verlassen und auch mal anzuecken – über das Ziel hinauszuschießen. Erst wenn man am scheinbaren Limit ist, entstehen die wirklich guten Ideen.

Mehr zum Thema Mut und zu unserer Philosophie findet ihr hier:
https://www.adextra.de/adextra/

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