17. Mai 2019

recruiting extrem – wie unbekannte ausbildungsberufe nice werden

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Wir haben uns ein Jahr nach der Bildungsmesse Heilbronn mit Frau Maier-Garzke von den bmk Steinbruchbetrieben über ihre Erfahrungen im Recruiting von Auszubildenden, über Erfolge und Aussichten auf die Zukunft unterhalten. Und was adextra eigentlich damit zu tun hat.

 

 

Liebe Frau Maier-Garzke, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, unsere Fragen zu beantworten. Vielleicht können Sie sich als Erstes kurz vorstellen und Ihre Funktion sowie Ihre Aufgaben im Unternehmen erläutern.

 

Bei den bmk Steinbruchbetrieben bin ich seit fast sechs Jahren angestellt und bin dort für den gesamten HR-(Human Resources)-Bereich zuständig, d. h., ich kümmere mich, unterstützt von einer Kollegin, um die gewerblich-technischen Mitarbeiter und um unsere Betriebsrentner, das sind etwa 210 Personen.

Zu meinen Aufgaben zählt die gesamte Abwicklung im Bereich HR von der Personalsuche bis hin zum Austritt aus dem Unternehmen. Zudem kümmern wir uns im Team um den Ausbildungsbereich, also auch um das Recruiting für Auszubildende.

 

Wie nehmen Sie als HR-Expertin den Fachkräftemangel wahr, welche konkreten Berufe Ihrer Branche sind davon betroffen?

 

Den Fachkräftemangel nehmen wir, in unserer speziellen Branche, natürlich sehr stark wahr. Unsere artverwandten Fachkräfte kommen hauptsächlich aus dem Bereich Bauneben- oder Bauhauptgewerbe, aber auch aus dem Bereich Kfz-Mechatronik und der aus der Industrie. Hier sind die Fachkräfte bekanntlich minimiert, was meiner Meinung nach unter anderem an der Bildungspolitik liegt, die nicht rechtzeitig darauf geachtet hat, diese Handwerksberufe auch attraktiv zu gestalten, entsprechend zu bewerben und mit einem positiven Image zu versehen.

Hinzu kommt, dass das Streben nach immer höheren Berufsabschlüssen manchmal im Kontrast zu einer Ausbildung im Handwerksbereich steht. Wir müssen schon heute Arbeitnehmer außerhalb unserer Branche anwerben und diese dann erst anlernen.

In Abstimmung mit unseren Branchenverbänden könnten zukünftig externe Prüfungen für die Arbeiternehmer in der Branche möglich sein, um sie aus dem Angelernten- oder „Helferbereich“ herausheben zu können, ihnen einen offiziellen Status zu verleihen und sie dann auch entsprechend ggf. tariflich zu entlohnen. Für unser Unternehmen reden wir hier hauptsächlich von folgenden Berufen: Aufbereitungsmechaniker/-in (Naturstein), Land- und Baumaschinenmechatroniker/-in sowie Baugeräteführer/-in.

 

Ihre erste Recruiting-Kampagne startete 2018 mit Ihrem Auftritt auf der Bildungsmesse Heilbronn, was war Ihre Hoffnung?

 

„Wir brauchen Azubis, haben aber keine“, das war die Ausgangssituation, als wir uns entschieden, Nägel mit Köpfen zu machen und nicht mehr den alten Zeiten hinterherzutrauern. Wir sind bestrebt, Fachkräfte langfristig zu binden und diese über ihren gesamten Werdegang zu begleiten sowie die Berufe, die Firma und somit auch die Branche insgesamt bekannter zu machen.

Wir wollten zeigen, dass man uns und unsere Berufe dringend benötigt und wir nicht – wie manchmal angenommen – ohne Verstand die Ressource Natur verbrauchen. Schließlich kümmern wir uns um wichtige Rohstoffe, die täglich gebraucht werden: im Tief- und Straßenbau, Landschafts- und Gartenbau oder im Baustoffrecycling.

 

Sie haben uns, adextra, mit der Kampagne beauftragt. Was waren die Gründe dafür?

 

Wir wollten einen Stand auf der Bildungsmesse Heilbronn – das stand fest. Schnell wurde uns klar, dass wir professionelle Unterstützung brauchen. Dann kam der Gedanke: eine regionale Agentur mit kurzen Entscheidungswegen. Zudem wollten wir uns peppiger, knalliger und moderner für die jungen Leute präsentieren, um als attraktiver Arbeitgeber mit Zukunft wahrgenommen zu werden und auch um das Branchenimage zu steigern. Frau Flickinger-Joos kannte adextra und stellte den Kontakt her sowie unsere Erwartungen vor.

 

Welche Maßnahmen wurden unter dem neuen Kampagnentitel „HARD BREAKER“ eingeleitet?

 

Zunächst war das wunderbare Wortspiel für uns entscheidend. Der Begriff ist humorvoll und gleichzeitig mit einer gewissen Emotionalität behaftet. Der Begriff hat bis heute Bestand und findet immer breitere Zustimmung.

 

Unser Messestand überzeugte nicht nur durch eine klare, großzügige und einladende Optik: Ein toller Recruitingfilm mit starkem Sound, ein 3-D-Film zum Eintauchen mit VR-Brille in die HARD BREAKER Welt, die Präsentation des Firmen-Bikes – das jeder neue Azubi bekommen kann – waren die Hauptbestandteile des Standes.

Hinzu kamen „freche“ Flyer mit Profilinfos zu den Berufen, die auf die neue Landingpage www.hardbreaker.team lotsen.

 

Mehr zur Kampagne.

 

Wie waren die Erfahrungen auf der Messe?

 

Unser Stand war Fluch und Segen gleichzeitig. Wir konnten einerseits viele vorbeilaufende Interessenten dazu bewegen, bei uns stehen zu bleiben. Andererseits? Aufgrund des Andrangs gab es aber eben auch viele, die wir nicht erreichten.

Ein großer Vorteil für uns war, dass junge Menschen, ehemalige Auszubildende aus dem eigenen Betrieb, für ein persönliches Gespräch auf der Messe anwesend waren (z. B. Robin Sander). Der 3-D-Film über die VR-Brille kam sehr gut an.

Insgesamt war die Messe gut besucht, und wir werden versuchen, den Stand 2020 wieder zu bekommen. Grundsätzlich sind wir weiterhin von der Kampagne überzeugt.

 

Die Idee, die wir alle grandios fanden, den Auszubildenden einen E-Roller für die langen Anfahrtswege zur Verfügung zu stellen, kam leider nicht so gut wie erwartet an. Da werden wir nachjustieren. Allerdings können wir jedem Interessenten und jeder Interessentin damit zeigen, dass die Ausbildung nicht am Arbeitsweg scheitern wird.

 

Haben Sie Ihre Messeziele erreicht?                       

 

Unser minimales Ziel lautete mindestens zwei Bewerber zu rekrutieren, um davon einen als Auszubildenden auszuwählen.

Nach der Messe hatten wir 21 Bewerber und haben davon aus elf Praktikanten drei Ausbildungsplätze noch für 2018 und vier Ausbildungsplätze bereits für 2019 vergeben.

Der Fokus liegt jetzt auf der Azubi-Gewinnung für 2020.

 

Insgesamt haben wir also unser Ziel nicht nur nicht erreicht, sondern sogar weit übertroffen.

 

Eine Beobachtung auf der Messe zeigte, dass sehr viele Mädchen auf Ihrem Stand waren. Können Sie das bestätigen?

 

Das war tatsächlich so. Ich habe gelernt, dass junge Frauen und Mädchen oft sehr viel mutiger sind als Jungen, deutlich offener und zielstrebiger. Leider hat sich keine für unsere Berufe entschieden. Die Rollenverteilung ist hier noch eindeutig: Frauen arbeiten bei uns eher in der Verwaltung als im „Steinbruch“.

 

Wie wird sich der Ausbildungsbereich in Ihrem Unternehmen weiterentwickeln?

 

Wir haben gelernt, dass wir mehr Ausbildungsverantwortliche brauchen, um die Last auf mehrere Schultern zu verteilen. Das war vor einiger Zeit noch nicht der Fall, hier investieren wir stark in die Weiterbildung unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

 

Koordiniert wird alles in unserer Zentrale in Talheim. Zweimal im Jahr findet ein zentrales Ausbildertreffen statt, um sich auszutauschen und die Azubis zu koordinieren.

 

Bei der bws Steinbruchbetriebe, unserer Beteiligungsgesellschaft in Gundelsheim, wurde für 2019 zum allerersten Mal in der Geschichte ein Azubi eingestellt, und es wird auch ein Ausbildungsverantwortlicher ausgebildet werden. Für unsere Unternehmensgruppe ist das ein nahezu revolutionärer Erfolg.

 

Die Kampagne „HARD BREAKER“ findet im Ausbildungsbereich der bmk Anwendung. Soll diese auch auf das allgemeine Recruiting (Employer Branding) ausweitet werden?

 

Mein Wunsch ist es sogar, das Motto auszuweiten und unser Unternehmen sowie unser Anliegen noch bekannter zu machen. Vielleicht können wir „HARD BREAKER“-Aufkleber auf unseren Lkws und Radladern anbringen. Die damit zusammenhängenden Möglichkeiten haben wir noch gar nicht alle durchdacht.

Zudem könnte die Kampagne z.B. auch über Sponsoring an die Öffentlichkeit getragen werden.

 

Insgesamt muss erwähnt werden, dass wir im Vergleich zu ähnlich großen Unternehmen unserer Branche im Bereich Ausbildung jetzt sehr gut dastehen.

 

Liebe Frau Maier-Garzke, wir bedanken uns für das Gespräch und die interessanten Einblicke in Ihre Branche!

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